Kirchlein St. Zyprian und Justina - Tiers
Ort: S. Zyprian - Tiers
Die Kirche ist ein
spätromanischer Bau mit halbrunder Apsis und dürfte wie die heutige St. Georgs-Pfarrkirche im 13. Jahrhundert entstanden sein. Zu dieser Zeit wurde sie neben der Pfarrkirche als Filialkirche der Pfarre Völs angegeben. Im Jahre 1583 wurde sie durch die Freiherrn von Völs-Colonna erneuert. An der Stelle der alten Decke aus Holz wurde ein Gewölbe eingesetzt und die Fenster wurden erweitert. Eine Inschrift am Altar spricht zwar von einer Erbauung, aber zu jener Zeit wurde keine halbrunde Apsis mehr angelegt. Wohl wurde der Altaraufbau damals errichtet. Dieser ist kunsthistorisch wertvoll und zeigt im Mittelstück Cyprian und
Justina, die Patrone der Kirche. Die Marienstatue aus dem 16. Jahrhundert und verschiedene andere Statuen wurden im Oktober 1964 gestohlen. Bei Renovierungsarbeiten 1972 kamen Spuren von
Fresken am Triumphbogen und an den Seitenwänden zum Vorschein, wohl auch aus dem 16. Jahrhundert. An der Südaußenwand wurde ein Gemälde aus dem 17. Jahrhundert etwas aufgefrischt und zeigt die wunderbare Rettung der Platzlinerwiese. Aus schwarzem Gewölk schleudert Gottvater Blitzpfeile ins Tal. Cyprian und Justina jedoch breiten schützend ihre Mäntel über die Wiese mit der weidenden Herde.
St. Cyprian war Bischof von Antiochien und Märtyrer (um 304), nach der Legende ein Zauberer, der die christliche Jungfrau Justina verführen wollte und bekehrt wurde. Die im 5. Jahrhundert durch die römische Kaiserin Eudokia dichterisch gestaltete Legende ist der Kern der Faustaussage des Mittelalters. Sie regte Calderón zu seinem religiösen Drama „El màgico prodigioso“ an.
Nach der Sage standen in St. Cyprian einst viel mehr Häuser als jetzt. Muren und später die Pest hatten den höher gelegenen Teil des Tales entvölkert. Oberhalb der Talgabelung, auf den Traunwiesen, wo heute mehrere Heuhütten stehen, sollen sich die meisten und ältesten Häuser befunden haben. Damals sollen bei der Fronleichnamsprozession 24 Paare Kranzjungfern über die Kerschbaumerbrücke (Ziegelofenbrücke) gegangen sein.
Nach der Sage ist St. Cyprian die älteste Pfarre des Tales. Es liegt an reizvollen Stellen am Eingang von St. Zyprian.
Zugang: Im Sommer (Juli/August) während der Hl. Messe, sonntags um 18.30 Uhr.
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